Audiologie
In der Audiologie werden Hörverlust, Tinnitus und Gleichgewichtsstörungen mit audiologischen Tests diagnostiziert sowie Hörgeräteanpassung und vestibuläre Rehabilitation durchgeführt.
Die Audiologie ist ein Bereich der Gesundheitswissenschaften, der sich mit der Beurteilung des Hör- und Gleichgewichtssystems sowie der Diagnose und Rehabilitation von Hörverlusten befasst. Das Gehör ist einer der grundlegendsten Sinne, die es dem Menschen ermöglichen, mit seiner Umwelt zu kommunizieren. Ein Hörverlust kann in jeder Altersgruppe zu ernsthaften Kommunikationsschwierigkeiten, sozialer Isolation und einer Minderung der Lebensqualität führen. Die Abteilung für Audiologie des Koru Krankenhauses bietet mit ihren technologisch fortschrittlichen audiologischen Diagnosegeräten und ihrem fachkundigen Personal umfassende Dienstleistungen im Bereich der Hörgesundheit an.
Physiologie und Bedeutung des Hörens
Der Hörprozess findet statt, indem Schallwellen durch den äußeren Gehörgang eintreten und das Trommelfell in Schwingung versetzen. Diese Schwingungen werden über die Gehörknöchelchen im Mittelohr an das Innenohr weitergeleitet, wo die Cochlea die Schallwellen in elektrische Signale umwandelt und diese über den Hörnerv an das Gehirn übermittelt. Eine Störung an einem beliebigen Punkt dieses komplexen Prozesses kann zu einem Hörverlust führen.
Hören bedeutet nicht nur, Geräusche wahrzunehmen, sondern ist auch unverzichtbar, um Sprache zu verstehen, Gefahren in der Umgebung zu erkennen, soziale Interaktionen aufrechtzuerhalten und emotionale Bindungen aufzubauen. Insbesondere im Kindesalter ist das Gehör der grundlegende Baustein für die Sprachentwicklung und die kognitive Entwicklung. Die rechtzeitige Erkennung eines Hörverlusts und die Bereitstellung geeigneter Interventionen sind daher von großer Bedeutung.
Arten von Hörverlust
Hörverluste werden je nach Lokalisation der Störung in drei Hauptkategorien eingeteilt. Die Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze unterscheiden sich bei jeder Art.
- Schallleitungsschwerhörigkeit: Diese Art von Hörverlust resultiert aus Pathologien im Außen- oder Mittelohr. Ohrenschmalzpfropfen, Trommelfellperforationen, Mittelohrentzündungen, Otosklerose und Störungen der Gehörknöchelchenkette gehören zu den häufigsten Ursachen. Schallleitungsschwerhörigkeiten können meist durch medizinische oder chirurgische Eingriffe korrigiert werden.
- Schallempfindungsschwerhörigkeit (Sensorineuraler Hörverlust): Diese Art von Hörverlust entsteht durch Schäden im Innenohr (Cochlea) oder am Hörnerv. Altersbedingter Hörverlust (Presbyakusis), lärmbedingter Hörverlust, genetische Faktoren, ototoxische Medikamente, Morbus Menière und Akustikusneurinome sind die Hauptursachen. Schallempfindungsschwerhörigkeiten sind in der Regel dauerhaft und werden mit Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten rehabilitiert.
- Kombinierte Schwerhörigkeit (Schallleitungs- und Schallempfindungsstörung): Hierbei liegen sowohl eine Schallleitungs- als auch eine Schallempfindungsstörung vor. Es besteht eine Pathologie sowohl im Außen- oder Mittelohr als auch im Innenohr oder in der Nervenbahn.
Ursachen von Hörverlust
Ein Hörverlust kann viele verschiedene Ursachen haben. Die korrekte Bestimmung dieser Ursachen ist entscheidend für die Erstellung eines geeigneten Behandlungs- und Rehabilitationsplans.
- Altersbedingter Hörverlust (Presbyakusis): Er entwickelt sich durch die Degeneration der Sinneszellen im Innenohr im Zuge des Alterns. Es handelt sich um einen fortschreitenden Hörverlust, der meist beide Ohren symmetrisch betrifft und bei hohen Frequenzen beginnt. Er tritt bei etwa einem Drittel der über 65-Jährigen auf.
- Lärmbedingter Hörverlust: Er entsteht durch die Schädigung der Haarzellen im Innenohr infolge langzeitiger Exposition gegenüber hochfrequentem Lärm. Berufsbedingte Lärmbelastung, das Hören von lauter Musik und Explosionsgeräusche sind die Hauptrisikofaktoren.
- Genetisch bedingter Hörverlust: Ein erheblicher Teil der angeborenen oder fortschreitenden Hörverluste ist genetisch bedingt. Man unterscheidet zwischen syndromalen und nicht-syndromalen Formen.
- Infektionen: Masern, Mumps, Meningitis, Syphilis und Zytomegalievirus-Infektionen können zu Hörverlust führen. Insbesondere Infektionen während der Schwangerschaft können beim Fötus einen dauerhaften Hörverlust verursachen.
- Ototoxische Medikamente: Aminoglykosid-Antibiotika, Chemotherapeutika wie Cisplatin, hochdosiertes Aspirin und bestimmte Diuretika können eine toxische Wirkung auf das Innenohr haben.
- Trauma: Schädeltraumata, Felsenbeinfrakturen und akustische Traumata gehören zu den wichtigen Ursachen für Hörverlust.
Audiologische Untersuchungsmethoden
Zur Diagnose und Bestimmung des Grades eines Hörverlusts werden verschiedene audiologische Tests angewendet. Diese Tests werden je nach Alter, Beschwerden und klinischem Zustand des Patienten ausgewählt.
- Tonaudiometrie: Dies ist der grundlegende audiologische Test zur frequenzspezifischen Bestimmung der Hörschwellen. Durch die Messung der Luft- und Knochenleitungsschwellen werden Art und Grad des Hörverlusts ermittelt.
- Sprachaudiometrie: Dieser Test bewertet die Fähigkeit des Patienten, Sprachlaute zu verstehen, und liefert wichtige Informationen für die Planung der Hörgeräteversorgung und die Bestimmung der Eignung für ein Cochlea-Implantat.
- Tympanometrie: Sie wird zur Beurteilung des Mittelohrdrucks, der Trommelfellbeweglichkeit und der Eustachischen Röhrenfunktion eingesetzt. Sie hilft bei der Erkennung von Mittelohrergüssen, Trommelfellperforationen und Pathologien der Gehörknöchelchenkette.
- Stapediusreflexmessung: Durch die Messung der Reflexantwort des Musculus stapedius wird die Integrität der Hörbahn beurteilt. Es ist ein wichtiger Test zum Screening retrokochleärer Pathologien.
- Otoakustische Emissionen (OAE): Ein objektiver Test zur Beurteilung der Funktion der äußeren Haarzellen im Innenohr. Er wird häufig bei Neugeborenen-Hörscreenings eingesetzt.
- Auditorisch evozierte Hirnstammpotenziale (BERA/ABR): Dieser Test wird zur elektrophysiologischen Beurteilung der Hörbahnen auf Ebene des Hörnervs und des Hirnstamms verwendet. Er wird bei Neugeborenen und nicht kooperativen Patienten zur objektiven Bestimmung der Hörschwellen bevorzugt.
Neugeborenen-Hörscreening
Das Neugeborenen-Hörscreening ist ein lebenswichtiges Programm zur frühzeitigen Erkennung angeborener Hörverluste. Etwa eines bis drei von tausend Neugeborenen haben einen angeborenen Hörverlust. Eine frühzeitige Diagnose und Intervention sind entscheidend für einen normalen Verlauf der Sprach-, Sprech- und kognitiven Entwicklung des Kindes.
Im Screening-Programm wird zunächst der OAE-Test durchgeführt; bei einem nicht bestandenen Ergebnis erfolgt eine weiterführende Untersuchung mittels ABR-Test. Bei Säuglingen, bei denen ein Hörverlust festgestellt wurde, wird eine Intervention vor dem sechsten Lebensmonat angestrebt.
Hörgeräte
Hörgeräte sind die am häufigsten eingesetzten technologischen Lösungen bei der Rehabilitation von Hörverlusten. Moderne digitale Hörgeräte verstärken Geräusche individuell angepasst an das Hörverlustprofil des Patienten.
- Hinter-dem-Ohr (HdO)-Geräte: Diese Geräte werden hinter dem Ohr platziert und leiten den Schall über einen Schlauch in den Gehörgang. Aufgrund ihrer hohen Verstärkungsleistung können sie bei jedem Grad von leichtem bis hochgradigem Hörverlust eingesetzt werden.
- Im-Ohr (IdO)-Geräte: Diese werden direkt im Gehörgang platziert und sind kosmetisch diskreter. Sie werden bei leichtem bis mittelschwerem Hörverlust angewendet.
- Im-Kanal-Geräte (CIC/IIC): Diese Geräte werden tief im Gehörgang platziert und sind von außen nahezu unsichtbar. Sie sind eine geeignete Option für Patienten mit kosmetischen Bedenken.
- Receiver-in-Canal (RIC)-Geräte: Dies sind moderne Geräte, bei denen der Hörer im Gehörgang und das Hauptgehäuse hinter dem Ohr sitzt. Aufgrund ihrer natürlichen Klangqualität und geringen Größe sind sie heute der am häufigsten gewählte Hörgerätetyp.
Die Auswahl des Hörgeräts erfolgt individuell unter Berücksichtigung von Faktoren wie Art und Grad des Hörverlusts, Ohranatomie, Lebensstil, Erwartungen und Budget. Der vom Audiologen durchgeführte Anpassungsprozess ist von großer Bedeutung, um den bestmöglichen Nutzen aus dem Gerät zu ziehen.
Cochlea-Implantat
Das Cochlea-Implantat ist eine chirurgische Lösung für Patienten mit hochgradigem bis an Taubheit grenzendem sensorineuralem Hörverlust, die von einem Hörgerät nicht ausreichend profitieren. Das Gerät wandelt Schallwellen in elektrische Signale um und stimuliert direkt den Hörnerv.
Die Beurteilung der Eignung für ein Cochlea-Implantat umfasst umfassende audiologische Tests, radiologische Bildgebung und die Bewertung durch ein multidisziplinäres Team. Die erfolgreiche Durchführung der postoperativen Programmierung und der auditiven Rehabilitation sind die wichtigsten Faktoren für die Wirksamkeit des Implantats.
Management von Ohrgeräuschen (Tinnitus)
Tinnitus ist die Wahrnehmung von Geräuschen im Ohr oder Kopf ohne eine externe Schallquelle. Dieser Zustand, der als Klingeln, Rauschen, Summen oder Zischen beschrieben werden kann, betrifft etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Bevölkerung.
- Tinnitus-Diagnostik: Die Bestimmung von Frequenz, Lautstärke und Art des Tinnitus ist wichtig für die Erstellung des Behandlungsplans.
- Klangtherapie: Durch den Einsatz von Umgebungsgeräuschen oder speziellen Tongeneratoren wird angestrebt, die Wahrnehmung des Tinnitus zu reduzieren.
- Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT): Durch eine Kombination aus Beratung und Klangtherapie soll eine Habituation (Gewöhnung) an den Tinnitus erreicht werden.
- Kognitive Verhaltenstherapie: Eine wirksame psychotherapeutische Methode zur Bewältigung von Angst- und Depressionssymptomen, die durch Tinnitus entstehen können.
Gleichgewichtsprüfung (Vestibuläre Tests)
Die Abteilung für Audiologie bewertet neben dem Gehör auch das vestibuläre (Gleichgewichts-) System. Für Patienten mit Beschwerden wie Schwindel und Gleichgewichtsstörungen wird eine vestibuläre Testbatterie angewendet.
- Videonystagmographie (VNG): Wird zur Beurteilung der Funktion des vestibulären Systems durch Aufzeichnung der Augenbewegungen eingesetzt.
- Video-Kopfimpulstest (vHIT): Ermöglicht eine schnelle und zuverlässige Beurteilung der Funktion der einzelnen Bogengänge.
- Vestibulär evozierte myogene Potenziale (VEMP): Ein elektrophysiologischer Test zur Beurteilung der Funktion der Otolithenorgane.
Schutz der Hörgesundheit
Die Maßnahmen zum Schutz der Hörgesundheit sind ein Leben lang von Bedeutung. Die Verwendung von Gehörschutz in lauten Umgebungen, die Begrenzung der Dauer und Lautstärke beim Musikhören mit Kopfhörern, der Verzicht auf ototoxische Medikamente und regelmäßige Hörkontrollen tragen dazu bei, das Risiko eines Hörverlusts zu verringern. Für Personen, die in lärmintensiven Arbeitsumgebungen tätig sind, sind jährliche audiologische Untersuchungen nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern auch für die Hörgesundheit von großer Bedeutung.
In der Abteilung für Audiologie des Koru Krankenhauses bieten unsere Fachärzte und Audiologen unseren Patienten in jeder Phase, von der Diagnose bis zur Rehabilitation von Hör- und Gleichgewichtsstörungen, evidenzbasierte, personalisierte und umfassende audiologische Dienstleistungen. Mit unserer fortschrittlichen audiologischen Testinfrastruktur und unserem erfahrenen Team ist es unser Ziel, die Hörgesundheit unserer Patienten auf höchstem Niveau zu schützen und zu verbessern.
