Die Szintigraphie ist ein nuklearmedizinisches Untersuchungsverfahren, das durch die Gabe einer geringen Menge radioaktiver Substanzen in den Körper sowohl die strukturelle als auch die funktionelle Darstellung von Organen ermöglicht. Im Gegensatz zu anatomischen Bildgebungsverfahren kann die Szintigraphie den Funktionszustand von Organen aufzeigen und wird in einem breiten Spektrum eingesetzt – von Krebserkrankungen über Schilddrüsenerkrankungen bis hin zu Knochenmetastasen und Herzerkrankungen. Dank ihrer Fähigkeit, Krankheiten im Frühstadium zu erkennen, spielt sie eine wichtige Rolle bei der Behandlungsplanung von Patienten. Die Szintigraphie, die Pathologien oft Wochen oder sogar Monate vor den klassischen radiologischen Methoden erkennen kann, hat die Kapazität der modernen Medizin zur Früherkennung erheblich erweitert.
Was ist eine Szintigraphie und wie funktioniert sie?
Die Szintigraphie basiert auf dem Prinzip, dass niedrig dosierte radioaktive Substanzen (Radiopharmaka), die dem Patienten intravenös, oral oder durch Inhalation verabreicht werden, sich im Zielorgan anreichern und mittels einer Gammakamera detektiert werden. Die dem Körper zugeführte Substanz reichert sich je nach Stoffwechselaktivität des Zielorgans dort an; die dabei ausgesandten Gammastrahlen werden von einer speziellen Kamera erfasst und in ein Bild umgewandelt. Die verwendete radioaktive Substanz ist mit Trägermolekülen kombiniert, die spezifisch für das Zielorgan oder das pathologische Gewebe sind. Daher wird für jede Art der Szintigraphie ein anderes Radiopharmakon verwendet. Moderne SPECT-CT- (Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie) und PET-CT-Geräte bieten äußerst detaillierte Bilder, indem sie die funktionellen Informationen der Szintigraphie mit den anatomischen Informationen der Computertomographie kombinieren.
Funktionsprinzip
Der Arbeitsprozess der Szintigraphie besteht aus mehreren grundlegenden Phasen:
- Applikation des Radiopharmakons: Die für das Zielorgan spezifische radioaktive Substanz wird dem Patienten verabreicht.
- Wartezeit: Es wird eine bestimmte Zeit abgewartet, bis sich die Substanz im Organ angereichert hat.
- Bildgebung mit der Gammakamera: Die von der radioaktiven Substanz ausgesandten Signale werden erfasst.
- Computergestützte Verarbeitung: Die gesammelten Daten werden vom Computer in ein Bild umgewandelt.
- SPECT-Bildgebung: Es werden dreidimensionale Schnittbilder erstellt.
- CT-Fusion: Anatomische und funktionelle Bilder werden zusammengeführt.
- Interpretation: Das Bild wird von einem Nuklearmediziner ausgewertet.
Bei welchen Krankheiten wird sie eingesetzt?
Die Szintigraphie verfügt über ein äußerst breites Anwendungsspektrum:
- Knochenszintigraphie: Knochenmetastasen, Frakturen, Infektionen und Knochentumoren.
- Schilddrüsenszintigraphie: Beurteilung von Hyperthyreose, Schilddrüsenknoten und toxischen Adenomen.
- Nebenschilddrüsenszintigraphie: Lokalisation von Adenomen bei Hyperparathyreoidismus.
- Myokardperfusionsszintigraphie: Diagnose und Nachsorge der koronaren Herzkrankheit.
- Lungenszintigraphie: Diagnose einer Lungenembolie.
- Nierenszintigraphie: Nierenfunktion, renovaskuläre Hypertonie und Obstruktion.
- Lymphszintigraphie: Detektion des Wächterlymphknotens (Sentinel-Lymphknoten), Beurteilung von Lymphödemen.
- Leber-Milz-Szintigraphie: Leberraumforderungen und funktionelle Beurteilung.
- Magenentleerungsszintigraphie: Diagnose einer Gastroparese.
- Gehirnszintigraphie: Beurteilung von Demenz, Hirntod und Epilepsie.
- Speicheldrüsenszintigraphie: Sjögren-Syndrom und andere Speicheldrüsenerkrankungen.
- Nebennierenszintigraphie: Phäochromozytom und Erkrankungen der Nebennierenrinde.
- Gallium-Szintigraphie: Detektion von Infektions- und Entzündungsherden.
Vorteile der Szintigraphie
Die klinischen Vorteile dieses nuklearmedizinischen Verfahrens sind äußerst wertvoll:
- Funktionelle Information: Zeigt den funktionellen statt nur den strukturellen Zustand der Organe.
- Möglichkeit der Früherkennung: Erkennt Stoffwechselstörungen vor anatomischen Veränderungen.
- Ganzkörper-Scan: Der gesamte Körper kann in einer Sitzung beurteilt werden.
- Geringe Strahlenbelastung: Mit modernen Protokollen ist die Strahlenexposition minimal.
- Minimalinvasiv: Erfordert lediglich einen intravenösen Zugang, es ist eine schmerzfreie Untersuchung.
- Therapiekontrolle: Beurteilung des Ansprechens auf Chemotherapie und Strahlentherapie.
- Chirurgische Führung: Wegweisend bei Anwendungen wie dem Wächterlymphknoten.
- Therapeutische Anwendung: Einige szintigraphische Substanzen werden auch zur Therapie eingesetzt (Radionuklidtherapie).
- Überwachung der Krankheitsaktivität: Möglichkeit des Vergleichs vor und nach der Behandlung.
- Komplementarität zu anderen Bildgebungsverfahren: Liefert wertvolle Zusatzinformationen zu MRT, CT und Sonographie.
Untersuchungsablauf
Vor der Szintigraphie wird der Patient über die Untersuchung aufgeklärt; je nach Art der Szintigraphie kann eine spezielle Vorbereitung erforderlich sein. Während für einige Untersuchungen Nüchternheit, das Absetzen von Medikamenten oder eine Diätanpassung erforderlich sind, ist für andere keine spezielle Vorbereitung nötig. Am Tag der Untersuchung wird das Radiopharmakon intravenös, oral oder durch Inhalation verabreicht. Für die Anreicherung der Substanz im Zielorgan ist eine Wartezeit zwischen 15 Minuten und mehreren Stunden erforderlich. Bei einer Knochenszintigraphie wird beispielsweise nach der Applikation etwa 2-3 Stunden gewartet; in dieser Zeit wird dem Patienten empfohlen, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Während der Bildgebungsphase liegt der Patient ruhig unter der Gammakamera, die Aufnahme dauert durchschnittlich 20-45 Minuten. Bei einigen Untersuchungen erfolgt eine dynamische (serielle) Bildgebung, während bei anderen eine statische Aufnahme ausreicht. Bei SPECT- oder SPECT-CT-Untersuchungen kann die Bildgebungszeit etwas länger sein. Die Ergebnisse werden vom Nuklearmediziner befundet. Nach der Untersuchung sind in der Regel keine besonderen Einschränkungen erforderlich, jedoch wird eine hohe tägliche Flüssigkeitszufuhr empfohlen, um die Ausscheidung der radioaktiven Substanz über die Nieren zu beschleunigen.
Zu beachtende Punkte
Vor einer Szintigraphie muss der Schwangerschafts- oder Stillstatus der Patientin unbedingt abgeklärt werden. In der Schwangerschaft wird die Untersuchung in der Regel verschoben; stillende Mütter müssen ihre Milch unter Umständen für einen bestimmten Zeitraum abpumpen und verwerfen. Die vom Patienten eingenommenen Medikamente können das Ergebnis einiger szintigraphischer Untersuchungen beeinflussen; insbesondere Schilddrüsenmedikamente, Herzmedikamente und bestimmte Chemotherapeutika müssen für einen gewissen Zeitraum abgesetzt werden oder es muss eine Rücksprache erfolgen. Daher ist es notwendig, dem Nuklearmediziner eine Medikamentenliste vorzulegen. Patienten mit einer Kontrastmittelallergie sollten dies mitteilen. Nach der Untersuchung sollten einfache Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, wie z. B. eine hohe Flüssigkeitszufuhr, bis die radioaktive Substanz aus dem Körper ausgeschieden ist, sowie das Fernhalten von Säuglingen und Schwangeren. Die Strahlenbelastung moderner Szintigraphiegeräte ist gering und hinsichtlich langfristiger gesundheitlicher Auswirkungen sicher. Bei Kindern wird die Dosis an das Körpergewicht angepasst. Patienten mit Harninkontinenz sollten vor der Untersuchung informieren, um eine Kontamination des Geräts zu vermeiden.
Unterschied der Szintigraphie zu anderen Bildgebungsverfahren
Die Szintigraphie liefert Informationen, die sich stark von anatomischen Bildgebungsverfahren wie CT und MRT unterscheiden. Während CT und MRT detaillierte strukturelle Bilder der Organe liefern, zeigt die Szintigraphie den funktionellen Zustand der Organe auf. Daher sind die beiden Methoden keine Alternativen, sondern ergänzen sich gegenseitig. Beispielsweise liefert die Sonographie bei der Beurteilung von Schilddrüsenknoten strukturelle Informationen, während die Szintigraphie die hormonelle Aktivität des Knotens aufzeigt. Bei der Suche nach Knochenmetastasen kann die Knochenszintigraphie den gesamten Körper in einer Sitzung scannen, während das MRT nur auf begrenzte Bereiche fokussiert, dort jedoch wesentlich detailliertere Bilder liefert. Obwohl PET-CT eine höhere Auflösung als die Szintigraphie bietet und den Tumorstoffwechsel besser darstellt, behält die klassische Szintigraphie bei einigen Indikationen weiterhin ihre Überlegenheit. Hinsichtlich Kosten und Verfügbarkeit ist die Szintigraphie gegenüber dem PET-CT vorteilhafter. Moderne SPECT-CT-Geräte haben diesen Unterschied verringert, indem sie der Szintigraphie eine anatomische Referenz hinzufügen. Der Arzt entscheidet je nach klinischer Fragestellung, welche Methode am besten geeignet ist, und kombiniert bei Bedarf mehrere Verfahren, um zur genauesten Diagnose zu gelangen.
Als Koru Krankenhaus führen wir in unserer Abteilung für Nuklearmedizin ein breites Spektrum an szintigraphischen Untersuchungen mit modernsten Gammakameras und SPECT-CT-Geräten durch. Mit unseren erfahrenen Nuklearmedizinern, unserem modernen Radiopharmaka-Labor und unserem patientenorientierten Ansatz bieten wir einen zuverlässigen Service für eine frühzeitige Diagnose und eine präzise Behandlungsplanung. Mit unserem multidisziplinären Team zielen wir darauf ab, unseren Patienten durch die Bewertung der Szintigraphie-Ergebnisse im klinischen Kontext den genauesten Diagnose- und Behandlungsweg zu bieten.






