Allgemeinchirurgie

Nervmonitoring in der Schilddrüsenchirurgie

Nervenüberwachungstechnologie, die die Stimmbänder bei Schilddrüsenoperationen schützt.

Die Nervenüberwachung (intraoperative Neuromonitoring - IONM) bei Schilddrüsenoperationen ist eine fortschrittliche Sicherheitstechnologie, die während des Eingriffs kontinuierlich die Funktion des Nervus laryngeus recurrens überwacht, der die Stimmbänder steuert. Die Lähmung der Stimmbänder, die gefürchtetste Komplikation bei Schilddrüsenoperationen, kann dank dieses Systems maßgeblich verhindert werden. Das Nervenmonitoring, das in der modernen Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenchirurgie zum Standardverfahren geworden ist, bietet Patienten eine sicherere Operation und die Garantie, ihre Stimme zu schützen. Da die Schilddrüse anatomisch sehr nah an den Nerven liegt, die die Stimmbänder steuern, erfordert dieses chirurgische Feld besondere technische Sorgfalt, und das Neuromonitoring hat sich in diesem Bereich als wichtiger Sicherheitsstandard etabliert.

Was ist Nervenmonitoring?

Das Nervenmonitoring ist ein System, das die funktionelle Integrität des Nervus laryngeus recurrens und des Nervus laryngeus superior, die um die Schilddrüse verlaufen und die Stimmbänder steuern, während der Operation mittels elektrischer Impulse testet. Die Muskelbewegung der Stimmbänder als Reaktion auf den schwachen elektrischen Strom, der an den Nerv abgegeben wird, wird von speziellen Elektroden erfasst und in visuelle sowie akustische Signale umgewandelt. Auf diese Weise kann der Chirurg die genaue Lage und den Funktionszustand des Nervs bestimmen, ohne ihn physisch berühren zu müssen. Das System unterstützt sowohl die Erfahrung des Chirurgen als auch liefert kritische Informationen bei Unsicherheiten durch anatomische Variationen.

Funktionsprinzip

Der Arbeitsmechanismus des Systems besteht aus mehreren grundlegenden Schritten:

  • Endotrachealtubus-Elektrode: Oberflächenelektroden am Anästhesietubus berühren die Stimmbänder
  • Nervenstimulator: Der Chirurg gibt mit einer speziellen Stimulationssonde einen schwachen elektrischen Strom an den Nerv ab
  • EMG-Antwortaufzeichnung: Die Muskelantwort der Stimmbänder wird als Elektromyographie-Signal aufgezeichnet
  • Akustische und visuelle Warnung: Die Nervenaktivität wird auf dem Monitor angezeigt und durch ein akustisches Signal gemeldet
  • Kontinuierliche Überwachung: Der Zustand des Nervs wird während der gesamten Operation in Echtzeit verfolgt
  • Kontinuierliches Vagus-Monitoring: Kontinuierlicher Signalempfang durch eine am Vagusnerv platzierte Elektrode
  • Schwellenwertbestimmung: Zunächst wird das normale Signalniveau festgelegt und anschließend zum Vergleich herangezogen

Bei welchen Operationen wird es eingesetzt?

Das Nervenmonitoring wird bei verschiedenen Arten der Halschirurgie verwendet:

  • Totale Thyreoidektomie: Entfernung der gesamten Schilddrüse
  • Hemithyreoidektomie: Entfernung der Hälfte der Schilddrüse
  • Schilddrüsenkrebschirurgie: Komplexe Operationen mit Lymphknotendissektion
  • Reoperative Schilddrüsenchirurgie: Risikoreiche Situationen bei wiederholten Operationen aufgrund von Verwachsungen
  • Große Kropfoperationen: Riesige Schilddrüsen, die anatomische Verzerrungen verursachen
  • Substernaler Kropf: Schilddrüse, die bis in den Brustraum reicht
  • Nebenschilddrüsenchirurgie: Zur Behandlung von Hyperparathyreoidismus
  • Tracheachirurgie: Rekonstruktion der Luftröhre
  • Halslymphknotendissektion: Radikale Halsdissektion bei Kopf-Hals-Tumoren
  • Mediastinalchirurgie: Entfernung von Massen im oberen Mediastinum
  • Halswirbelsäulenchirurgie: Bei Operationen mit anteriorem Zugang

Vorteile des Nervenmonitorings

Die klinischen Vorteile dieser Technologie sind äußerst umfassend:

  • Verringerung des Risikos einer Stimmbandlähmung: Die Rate der permanenten Stimmbandparalyse sinkt deutlich
  • Früherkennung des Nervs: Der Nerv wird auch bei anatomischen Variationen schnell gefunden
  • Überprüfung der funktionellen Integrität: Die Funktion des Nervs wird am Ende der Operation kontrolliert
  • Sicherheit bei beidseitigen Operationen: Vermeidung des Risikos einer beidseitigen Paralyse
  • Sicherheit bei Reoperationen: Die Identifizierung des Nervs im Narbengewebe wird erleichtert
  • Verkürzung der Operationszeit: Der Nerv wird schnell gefunden, was die Operationsdauer reduziert
  • Rechtliche Dokumentation: Es wird objektiv aufgezeichnet, dass der Nerv geschont wurde
  • Erhöhter Komfort für den Chirurgen: Bietet Sicherheit bei anatomischen Unklarheiten
  • Ausbildungsvorteil: Beschleunigt den Lernprozess junger Chirurgen
  • Schutz des Nervus laryngeus superior: Vermeidung von Stimmverlust in hohen Tonlagen

Behandlungsprozess

Vor einer Schilddrüsenoperation unter Nervenmonitoring wird der Patient von der Endokrinologie und Chirurgie untersucht. Eine präoperative Untersuchung der Stimmbänder wird durchgeführt, um festzustellen, ob bereits eine Paralyse vorliegt. Während der Operation erfolgt die Intubation mit einem speziellen Monitoring-Tubus, und die korrekte Positionierung der Elektroden an den Stimmbändern wird bestätigt. Nach der chirurgischen Eröffnung wird zunächst der Vagusnerv stimuliert und die Anfangsantwort aufgezeichnet (V1-Signal). Während die Schilddrüse vorsichtig freigelegt wird, wird der Nerv identifiziert und durch direkte Stimulation die Antwort überprüft (R1-Signal). Während der gesamten Operation wird der Nerv nach jeder kritischen Manipulation erneut getestet; insbesondere vor der Ligatur, der Dissektion des Berry-Ligaments und der Gefäßkoagulation erfolgt eine Signalkontrolle. Nach der Entfernung der Schilddrüse wird die distale Antwort des Nervs (R2) und die finale Antwort des Vagus (V2) kontrolliert, um die Operation sicher zu beenden. Bei Signalverlust kann die Operationsstrategie geändert oder eine beidseitige Operation auf eine einseitige reduziert werden. Nach dem Aufwachen des Patienten wird die Stimme kontrolliert und bei Bedarf eine Untersuchung durch einen HNO-Spezialisten geplant.

Zu beachtende Punkte

Für den effektiven Einsatz des Nervenmonitorings sollten einige wichtige Punkte berücksichtigt werden. Der Einsatz von Muskelrelaxanzien im Anästhesieprotokoll sollte eingeschränkt werden, da langwirksame Wirkstoffe die EMG-Antwort unterdrücken können. Die korrekte Position des Endotrachealtubus ist von großer Bedeutung; eine Positionsverschiebung kann zu falsch-negativen Ergebnissen führen. Das System ersetzt nicht die Erfahrung des Chirurgen, sondern unterstützt die visuelle anatomische Identifizierung. Bei Signalverlust sollte sofort nach der Ursache gesucht und gegebenenfalls die Operationsstrategie angepasst werden. In modernen Anwendungen wird auch ein kontinuierliches Vagus-Monitoring bevorzugt. Die Schulung des Operationsteams im korrekten Umgang mit dem System und die Entwicklung von Fähigkeiten zur Signalinterpretation bestimmen den Erfolg der Ergebnisse. Bei der Patientenauswahl sollte beachtet werden, dass insbesondere Hochrisikogruppen (großer Kropf, Malignität, Reoperation, anatomische Variationen) am meisten vom Monitoring profitieren.

Arten des Nervenmonitorings und neue Entwicklungen

Es gibt grundsätzlich zwei Ansätze bei der Anwendung des Nervenmonitorings: intermittierendes Monitoring und kontinuierliches Monitoring. Beim intermittierenden Monitoring verwendet der Chirurg die Sonde in bestimmten Phasen, um den Nerv zu stimulieren. Beim kontinuierlichen Monitoring wird die Nervenaktivität dank einer speziellen Elektrode am Vagusnerv ununterbrochen überwacht, wodurch riskante Manipulationen sofort erkannt werden. Moderne Systeme haben begonnen, Signalverluste durch KI-gestützte Analysen vorherzusagen. Neue Techniken wie die Thyreoidektomie im wachen Zustand können bei ausgewählten Patienten angewendet werden, wobei die Stimmkontrolle des Patienten direkt während der Operation erfolgen kann. Die Integration des Nervenmonitorings in die robotergestützte Schilddrüsenchirurgie ist ebenfalls ein sich entwickelndes Feld. Stimmanalyse-Software trägt zur Bewertung der Behandlungsergebnisse bei, indem sie die Stimmqualität vor und nach der Operation objektiv misst. All diese Entwicklungen machen das Nervenmonitoring sicherer, präziser und benutzerfreundlicher. Auch in der Ausbildung junger Chirurgen haben sich diese Systeme als wichtiges Lerninstrument etabliert.

Als Koru Krankenhaus führen wir in unseren Abteilungen für Allgemeinchirurgie sowie Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenoperationen routinemäßig unter Nervenmonitoring durch. Mit unseren erfahrenen Chirurgen, modernen Monitoringsystemen und unserem multidisziplinären Ansatz sehen wir es als unsere Priorität an, die Stimmgesundheit unserer Patienten zu schützen und höchste chirurgische Sicherheit zu gewährleisten. Wir stehen Ihnen mit unseren fortschrittlichen Diagnose- und chirurgischen Behandlungsoptionen bei Schilddrüsenerkrankungen für sichere und erfolgreiche Ergebnisse zur Seite.

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